Wie ein Frankfurter Unternehmer die Geschichte von Schrift, Kunst und Stadtentwicklung prägte: Diese spannende Führung verbindet Frankfurter Stadtgeschichte, Typografiegeschichte & Kunstgeschichte mit persönlichen Einblicken in das Leben Georg Hartmanns aus der Perspektive seiner Familie.
Die Veranstaltung
In Bockenheim wurde Typografie-Geschichte geschrieben. In der Bauerschen Gießerei entstand die von Paul Renner entworfene
Futura, eine der bedeutendsten Schriften des 20. Jahrhunderts. Georg Hartmann, Unternehmer, Kunstförderer und späterer Frankfurter Ehrenbürger, prägte nicht nur die Entwicklung der Druck- und Schriftindustrie, sondern engagierte sich auch für Kunst und Kultur. 1941 beauftragte er den von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamierten Künstler
Max Beckmann mit der Lithografienfolge Apokalypse, die unter schwierigen politischen Bedingungen in Bockenheim gedruckt wurde. Nach dem Krieg setzte sich Hartmann zudem für den Wiederaufbau seiner Fabrik und des Frankfurter Goethehauses ein.
Die Großnichte Georg Hartmanns,
Sylvine Yvonne Hartmann, gibt am Treffpunkt zunächst einen persönlichen Einblick in die Familiengeschichte. Anschließend führt der Rundgang zu den Standorten der ehemaligen Bauerschen Gießerei. Dabei erfahren Sie, wie Hartmanns unternehmerischer Weitblick den Wunsch des Frankfurter Oberbürgermeisters Franz Adickes, an dieser Stelle eine Universität zu gründen, für die Expansion seines Unternehmens nutzbar machte.
Anhand historischer Katasterpläne wird der damalige Grenzverlauf zwischen Frankfurt und Bockenheim nachvollziehbar. Sie entdecken, weshalb Hartmann die neue Fabrik auf einem Gelände errichten ließ, das zwar fußläufig erreichbar war, aber deutlich günstigere Grundstückspreise bot.
Ein weiterer Halt führt zum Gebäude der ehemaligen Gründungsuniversität der Frankfurter Universität, der Carl-Christian-Jügel-Stiftung. Hier erfahren Sie mehr über die Entwicklung des Universitätsstandorts und seine bis heute bestehende Nutzung durch die Fachbereiche Mathematik und Informatik.
Unterwegs lernen Sie die Entstehung der „Neuen Typografie“ kennen und begegnen den bedeutenden Schriftgestaltern ihrer Zeit. Anhand ausgewählter Schriftbeispiele wird deutlich, welche Entwürfe in Bockenheim entstanden und wie politische Entwicklungen selbst die Welt der Schriftgestaltung beeinflussten.
Weiter geht es zum Gebäude der späteren Bauerschen Gießerei. Vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude, heute als „Orfeos Erben“ bekannt, erfahren Sie, wie Georg Hartmann Max Beckmann begegnete und ihm bereits während des Ersten Weltkriegs einen ersten Malauftrag erteilte.
Zum Abschluss beleuchtet die Führung Beckmanns Aufstieg und Fall in Frankfurt, sein Exil in Amsterdam sowie die erneute Zusammenarbeit mit Hartmann. Sie erfahren, wie der Unternehmer den Künstler in schwierigen Zeiten unterstützte, ihm einen verdeckten Auftrag erteilte und die Lithografien der Apokalypse in diesem Gebäude drucken ließ. Zeitgleich entstand dort ein bibliophiler Registerband für den sogenannten „Sonderauftrag Linz“, Hitlers geplantes Kunstmuseum, der als unauffälliges Parallelprojekt diente.
Die Führung eröffnet damit einen außergewöhnlichen Blick auf die Verflechtung von Industrie, Kunst, Typografie und Stadtgeschichte – und auf die Persönlichkeit Georg Hartmanns, dessen Wirken Frankfurt bis heute prägt.
Infos
Dauer: ca. 2 Stunden
Treffpunkt: 15 Minuten vor Führungsbeginn am Turm der Bockenheimer Warte
Endpunkt: ORFEOS ERBEN
Rollstuhl- und/oder Kinderwagengerecht: Nein
Mindestalter: 16