Wie prägte das „Neue Frankfurt“ der 1920er Jahre sogar den Umgang mit dem Tod? Ein Spaziergang über den Hauptfriedhof zeigt Ihnen, wie Gleichheit & Rationalität in der Friedhofsgestaltung Einzug hielten – & auf Widerstand stießen. Im Fokus stehen Grabarchitektur, Ideologie & die Persönlichkeiten, die diese Zeit formten.
Die Veranstaltung
Das „Neue Frankfurt“ ist vor allem als Projekt des sozialen Wohnungsbaus und der architektonischen Moderne bekannt. Doch seine Ideale von Rationalität, Gleichheit und Funktionalität machten auch vor dem Tod nicht Halt. Selbst auf dem Friedhof wurden die Reformideen der 1920er Jahre sichtbar: Eine neue Friedhofsordnung ersetzte individuelle, oft prunkvolle Grabstätten durch standardisierte Reihengräber. Materialien, Formen und Größen der Grabsteine wurden normiert – Ausdruck einer neuen gesellschaftlichen Ordnung, in der alle Menschen auch im Tod gleich sein sollten. Der Hauptfriedhof wurde damit zu einem Ort, an dem sich die Ideologie der Systemzeit besonders anschaulich nachvollziehen lässt.
Dieser Wandel war jedoch nicht ohne Konflikte. Die Abkehr von traditionellen, persönlichen Formen der Erinnerung stieß auf Widerstände – bei Angehörigen, in der Öffentlichkeit und selbst in der Verwaltung. Die Führung beleuchtet dieses Spannungsverhältnis zwischen Reform und Erinnerungskultur. Sie folgt den Spuren zentraler Figuren dieser Zeit: Ludwig Landmann, der als Oberbürgermeister die Weichen für das „Neue Frankfurt“ stellte, Ernst May, der die städtebauliche Vision prägte, und Hans Kampffmeyer, der nach dem Zweiten Weltkrieg erneut planerische Verantwortung übernahm. Ihre Gräber markieren die Stationen eines historischen Rundgangs, der vom Aufbruch der Moderne bis in die jüngere Geschichte reicht.
Der Spaziergang auf dem Hauptfriedhof lädt dazu ein, das vermeintlich Unsichtbare sichtbar zu machen: die ideologischen, politischen und gestalterischen Linien, die sich selbst durch den Tod ziehen – und damit ein ganz eigenes Kapitel der Frankfurter Stadtgeschichte erzählen.
Infos
Dauer: 2 Stunden
Treffpunkt: 15 Minuten vor Beginn am Alten Portal, an der Ecke Nibelungenallee und Eckenheimer Landstraße, Frankfurt
Rollstuhl- und/oder Kinderwagengerecht: Ja
Mindestalter: keine Altersbegrenzung