Es war einmal – das Ostend als jüdisches Viertel. Viele Häuser stehen noch, doch vor zahlreichen entdecken Sie Stolpersteine. 1933 war Frankfurt die deutsche Großstadt mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil. Über 12.000 Menschen wurden vertrieben und ermordet, ihre Wohnungen und Einrichtungen zerstört. Wer lebte hier? Wie lebten diese Menschen? Welche Spuren begegnen Ihnen heute noch?
Die Veranstaltung
Als nach 1800 der Ghettozwang aufgehoben wurde, siedelten sich viele Juden aus der Judengasse ganz in der Nähe an – im Fischerfeld und im neu entstehenden Ostend. Auf Ihrer Stadtführung erfahren Sie, dass um 1900 etwa ein Viertel der Ostendbewohner jüdischen Glaubens war. Ihre Firmen, Wohlfahrtseinrichtungen, Krankenhäuser, Schulen und Synagogen prägten das Viertel – vom Zoo bis zum Ostbahnhof. Sie sprachen Hochdeutsch, Frankfodderisch oder Jiddisch und lebten je nach religiöser Ausrichtung unterschiedlich streng nach den Geboten.
Im Ostend dominierten eher konservative Bürger, viele besuchten die streng orthodoxe Synagoge an der Friedberger Anlage. Nach deren Zerstörung wurde ein Bunker errichtet, in dem Sie heute eine Erinnerungsstätte finden. Viele Ostend-Juden gehörten dem gehobenen Mittelstand an, lebten in großzügigen Wohnungen. Doch ab Ende des 19. Jahrhunderts zogen auch ärmere Ostjuden zu, oft ungebildet – unterstützt von zahlreichen Stiftungen. Ein bekannter Name, dem Sie vielleicht begegnen: das Clementine-Kinderhospital.
Mit Beginn der NS-Zeit emigrierten viele Frankfurter Juden, andere kamen vom Land in die Stadt, in der Hoffnung, anonym überleben zu können. Nur etwa 150 von ihnen gelang dies in Frankfurt. Das jüdische Ostend wurde ausgelöscht – doch in den 1950er Jahren lebte es in kleiner Form wieder auf. Am Röderbergweg zogen Familien aus dem DP-Lager Föhrenwald ein, für einige Jahre hörte man wieder Jiddisch. Heute entdecken Sie im jüdischen Altersheim in der Gagernstraße und im Baumweg zwei kleine Synagogen – stille Zeugnisse einer bewegten Geschichte.
Infos
Dauer: 1,5 bis 2 Stunden
Treffpunkt: 15 Minuten vor Beginn an der S-Bahnstation Ostendstraße, Ausgang Ostendstraße vor der Uhlandschule
Rollstuhl- und/oder Kinderwagengerecht: Nein
Mindestalter: keine Altersbegrenzung