Der heute als kleiner Stadtpark dienende Peterskirchhof zwischen Bleich- & Stephanstr. wurde als kleine Neustadtgrablege im 15. Jahrhundert angelegt. Er entwickelte sich über die Jahrhunderte zum Vorläufer des Hauptfriedhofs. Auf 100 erhaltenen Grabsteinen entrollt sich dem Besucher das „who is who“ der Frankfurter Stadtgesellschaft. Hier ruhen beispielsweise Goethes Verwandte & Bekannte sowie Generationen erfolgreicher Bankiers & Handelsmänner.
Die Veranstaltung
1508 erreichte der Rat gegen den Widerstand des Stiftskapitels von St. Bartholomäus die Aufhebung des alten Domkirchhofs. In der Neustadt westlich der Peterskapelle wurde ein neuer Friedhof eingerichtet, der Peterskirchhof. 1519 verbot der Rat den Totengräbern der Stadt, diesseits des Mains außerhalb des Peterskirchhofs Gräber auszuheben. 1530 wurden auch Beerdigungen in den Kirchen verboten.
Mit der Einführung der Reformation wurden alle protestantischen Toten der Altstadt und der Neustadt auf dem Peterskirchhof bestattet. Für die weniger als 100 verbliebenen Katholiken (im Wesentlichen die Angehörigen der drei Stiftskirchen und der Klöster) reichten der alte Domfriedhof und die Begräbnisstätten in den Kirchen, während die Juden einen eigenen Friedhof an der Judengasse, dem Frankfurter Ghetto hatten. Der Peterskirchhof musste in der Folgezeit mehrfach erweitert werden. Während der schweren Pestjahre 1634 bis 1636 reichte der Platz für Begräbnisse nicht mehr aus. 1634 starben 3512 Menschen, 1635 3421 und 1636 sogar 6943 in Frankfurt. Die Stadtbevölkerung lag seit dem Mittelalter nie höher als 10.000 bis 13.000 Menschen, so dass die hohe Sterblichkeit nur durch die Menschen aus dem Umland zu erklären ist, die sich vor den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges in die Stadt geflüchtet hatten. Das Pestilenzhaus, ein Bedarfs-Quarantäne-Spital für an Seuchen Erkrankte, lag östlich der Peterskirche auf dem Klapperfeld, das seinen Namen von den Rasseln trägt, mit denen die Pestkranken seit dem Mittelalter andere Menschen vor einer Annäherung warnen mussten.
1746 wurde der Friedhof nochmals erweitert. Er reichte nun bis an die Stadtmauer heran. Trotz der Erweiterungen reichte der Platz immer noch nicht aus, so dass viele Gräber mehrfach benutzt wurden. Ab 1811 verschärfte sich die Situation, weil nunmehr auch die Katholiken der Stadt, deren Zahl seit dem 18. Jahrhundert durch italienische Zuwanderer wieder angestiegen war, auf dem Peterskirchhof beigesetzt werden mussten. Die Klagen über die unzulänglichen hygienischen Verhältnisse häuften sich. Am 30. Juni 1828 wurde die Bürgerstochter Elisabeth Mauer als letzte Tote auf dem alten Friedhof beigesetzt. Seit dem 1. Juli wurde der neue, von Stadtgärtner Sebastian Rinz geplante Hauptfriedhof vor den Toren der Stadt genutzt.
Der aufgelassene Peterskirchhof sollte eigentlich eine Ruhefrist von 100 Jahren erhalten. Nach der Annexion durch Preußen wurde das Gelände jedoch zunehmend durch Neubauten beschnitten, unter anderem durch die Straßendurchbrüche der Stephanstraße und der Bleichstraße und durch die neue Peterskirche sowie die Liebfrauenschule. Weitere Zerstörungen hinterließ der 2. Weltkrieg, unter anderem wurde auch die bedeutende, 1511 von Hans Backoffen geschaffene spätgotische Kreuzigungsgruppe beschädigt. Zuletzt wurde 1974 für den Bau der Diamantenbörse der südliche Teil des Friedhofes überbaut. Insgesamt gingen rund zwei Drittel der ursprünglichen Fläche verloren.
Gehen Sie mit unserem Guide und Stadthistoriker Björn Wissenbach auf eine Spurensuche und lauschen Sie der Entstehungsgeschichte des Kirchhofs.
Infos
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Treffpunkt: 15 Minuten vor Führungsbeginn am Klaus-Mann-Platz vor dem am Eldrado-Kino, Schäfergasse 29, 60313 Frankfurt
Endpunkt: Peterskirchhof an der Peterskirche, Frankfurt
Rollstuhl- und/oder Kinderwagengerecht: Ja
Mindestalter: keine Altersbegrenzung